Mutter-Kind-Gesundheit
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Kenia
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Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsversorgung für vulnerable Mütter, Neugeborene und Kinder (TAMANI)

Organisation: Hoffnungszeichen e.V.
Partnerorganisation vor Ort: Self-implemented
Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsversorgung für vulnerable Mütter, Neugeborene und Kinder (TAMANI)

Situation vor Ort:

Die Wards Illeret und Dukana im Norden von Marsabit County sind extrem abgelegen und unterversorgt. Straßen sind größtenteils unpassierbar, Strom- und Kommunikationsinfrastruktur fehlt weitgehend, und Gesundheitszentren liegen oft 8–75 km entfernt, was den Zugang zu medizinischer Versorgung stark einschränkt. Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen, Konflikte zwischen lokalen Gemeinschaften sowie kulturelle Barrieren wie Frühverheiratung, FGM und Stigmatisierung jugendlicher Schwangerschaften verschärfen die Situation.

Die Region ist humanitär hochgradig vulnerabel: Ernährungsunsicherheit, Mangelernährung, Wasserknappheit und mangelhafte Hygiene erhöhen Krankheitsrisiken, insbesondere für Frauen und Kinder unter fünf Jahren. Mobile Gesundheitsdienste bleiben häufig die einzige erreichbare Versorgung, können jedoch die kontinuierliche Betreuung nicht sicherstellen. Öffentliche Einrichtungen sind unterbesetzt, schlecht ausgestattet und verfügen über unzureichend geschultes Personal. Community Health Volunteers bieten zwar wichtige lokale Unterstützung, sind aber oft unzureichend ausgebildet und ausgestattet.


Ziele:

Projektziel 

Das Ziel des Projekts ist es, zur Verbesserung des gerechten Zugangs, der Kontinuität und der Qualität von Gesundheitsdiensten für Mütter, Neugeborene, Kinder sowie der allgemeinen Primärversorgung für entlegene und unterversorgter vulnerabler Menschen in Illeret und Dukana beizutragen. Gleichzeitig soll dies zur nachhaltigen Stärkung des Gesundheitssystems und zur Erreichung der universellen Gesundheitsversorgung (Universal Health Coverage, UHC) beitragen.

Zur Erreichung dieses Ziels werden die systemischen und geografischen Barrieren angegangen, die diese Gemeinden seit langem vom Zugang zu Gesundheitsdiensten ausschließen. Dies geschieht durch die Integration eines erprobten Modells mobiler Gesundheitsversorgung in stärker verankerte Gemeinde- und Einrichtungssysteme.

Das vorgeschlagene Projekt trägt zu vier zentralen Unterzielen bei:

  1. Erhöhte Nutzung und Kontinuität von Gesundheitsdiensten für Mütter, Neugeborene, Kinder und allgemeine Primärversorgung in entlegenen und unterversorgten Gemeinden
  2. Gestärkte Kapazität und Funktionsfähigkeit der Community Health Volunteers (CHVs) zur Bereitstellung gemeindebasierter Primärversorgung und Mütter-, Neugeborenen- und Kindergesundheitsdienste (MNCH)
  3. Verbesserte Bereitschaft und Reaktionsfähigkeit von Gesundheitseinrichtungen, qualitativ hochwertige MNCH-Versorgung und Primärversorgung einschließlich Überweisungen und Notfällen zu gewährleisten
  4. Optimierte Koordination und Funktionsfähigkeit von Überweisungs- und Kommunikationssystemen in schwer erreichbaren Gebieten
Indikatoren:

Outcome

  • 50 % (1.553) der schwangeren Frauen in den Zieldörfern haben bis zum Projektende mindestens vier Vorsorgeuntersuchungen (ANC) wahrgenommen  (Ausgangswert: 20,3 % KHIS2 2025)
  • 30 % (932) der Geburten in den Zielgebieten werden von einer qualifizierten Fachkraft betreut (Ausgangswert: 6,2 % KHIS2 2025)
  • 65 % (2.879) der Kinder unter 1 Jahr in den Zieldörfern sind bis zum Projektende vollständig geimpft (Ausgangswert: 33,0 % KHIS2 2025)
  • 8.500 allgemeine ambulante Konsultationen werden jährlich durch mobile Outreach-Teams und in den Zieldörfern durchgeführt
  • 85 % (51) der CHVs sind sechs Monate nach der Schulung weiterhin aktiv  (Ausgangswert: TBD)
  • 90 % (29) des geschulten Personals in den Gesundheitseinrichtungen kann Kompetenzen in zentralen MNCH-Bereichen nachweisen (z. B. EmONC, IMCI) (Ausgangswert: TBD)
  • 17.695 Personen werden jährlich mit allgemeinen Primärgesundheitsdiensten erreicht 

Unterziel 1 - Ausbau von MNCH- und Primärversorgung in 28 Dörfern durch mobile Kliniken, Hausbesuche und Anbindung an vier Einrichtungen

  • 336 mobile Outreach-Einsätze in den 28 Zieldörfern über 3 Jahre durchgeführt
  • 17.695 Personen jährlich durch mobile Outreach-Kliniken in 28 Dörfern erreicht
  • 3 jährliche Outreach-Karten entwickelt/überprüft, die saisonale Migrationsmuster und Servicerouten abbilden
  • 776 schwangere Frauen jährlich durch Hausbesuche der CHVs erreicht/überwiesen
  • 1.764 Kinder unter fünf Jahren über 3 Jahre wegen häufiger Kinderkrankheiten behandelt
  • 6.720 Personen (3.360 Männlich und 3.360 Weiblich; 28 Mutter-zu-Mutter- und 28 Männerforen) über 3 Jahre durch vierteljährliche M2M-Gruppen und Männerforen erreicht

Unterziel 2 - Stärkung der CHV-Kapazität für kontinuierliche gemeindebasierte MNCH- und Primärversorgung

  • 60 CHVs sind geschult im Community Health Unit-Ansatz, MNCH, Integriertem Fallmanagement und Berichterstattung unter Verwendung standardisierter nationaler Trainingsmodule
  • 51 CHVs (85 %) führen sechs Monate nach der Schulung aktiv Hausbesuche durch und reichen Berichte ein
  • 60 CHVs sind mit solarbetriebenen Mobilgeräten und digitalen/papierbasierten Tools für Kommunikation, Dokumentation und Überweisungen ausgestattet
  • 144 monatliche CHV-Peer-Review- und Mentoring-Treffen an 4 Gesundheitseinrichtungs-Hubs über 3 Jahre durchgeführt
  • 60 CHVs erhalten vierteljährlich leistungsbasierte Anreize basierend auf kontinuierlicher Leistung, einschließlich rechtzeitiger Überweisungen schwangerer Frauen für ANC und Entbindung
  • 48 gemeinsame CHV-Supervisions- und Review-Berichte über 4 Gesundheitseinrichtungen in 3 Jahren erstellt

Unterziel 3 - Verbesserte Bereitschaft und Reaktionsfähigkeit von Gesundheitseinrichtungen für qualitativ hochwertige MNCH- und Primärversorgung, einschließlich Notfallversorgung und Überweisungen.

  • 32 Gesundheitsfachkräfte (4 Clinical Officers, 6 Registered Nurses, 12 Enrolled Nurses, 4 Ernährungsfachkräfte, 4 Public Health Officers und 2 Health Information Officers) bis Ende Jahr 2 in EmONC, IMCI, IMAM und Geburtshilfe geschult und betreut
  • 2 Mutterschaftswartehäuser an den Gesundheitszentren Illeret und Dukana sind gebaut und betriebsbereit
  • 1 Kreißsaal und 2 Mutterschaftswartehäuser sind mit Solarsystemen ausgestattet
  • 2 Telekonsultationsverbindungen zwischen den Gesundheitszentren Illeret und Dukana und dem North Horr Sub-County Hospital sind eingerichtet
  • 2 Enrolled Nurses sind eingesetzt und behalten für leistungsbasierte Supervision der CHVs und Koordination der Outreach-Dienste

Unterziel 4 - Gestärkte Überweisungs- und Kommunikationssysteme

  • 4 Community–Facility-Linkage-Desks sind an den Gesundheitszentren Illeret, Dukana, Telesagaye und Bales Saru eingerichtet und funktionsfähig
  • 60 CHVs und 16 Gesundheitsfachkräfte (12 Enrolled Nurses und 4 Public Health Officers) sind in Überweisungsprotokollen, Notfalltransport und Nutzung der Linkage-Tools geschult
  • 60 CHVs nutzen farbcodierte Überweisungskarten und robuste papierbasierte Nachverfolgungsinstrumente
  • 4 lokal angepasste Notfalltransporteinheiten (Esel- und/oder Kamelkarren) werden in unterversorgten Dörfern eingesetzt und betriebsbereit.
  • 4 Community Health Units sind in der Verwaltung und Koordination von Notfalltransportoptionen geschult
  • 60 CHVs sind mit rotierenden Behandlungs-/Diagnostik-Kits für grundlegendes Fallmanagement auf Gemeindeebene ausgestattet
  • 4 verknüpfte Gesundheitseinrichtungen wurden mit wichtigen Medikamenten für ambulante Grundversorgung und MNCH unterstützt
  • 12 gemeinsame Überweisungs-Review-Meetings werden jährlich zwischen CHVs und Gesundheitseinrichtungsteams durchgeführt (1 pro Quartal × 4 Einrichtungen)
  • Mindestens 180 Notfallüberweisungen werden jährlich über CHV–Facility-Kommunikationssysteme koordiniert und nachverfolgt
  • 12 vierteljährliche Koordinationsmeetings werden von Projektteams mit County- und/oder Sub-County Health Management Teams besucht
Maßnahmen:

Das Projekt wird durch miteinander verknüpfte Aktivitäten umgesetzt, die Folgendes sicherstellen:

  1. Ausbau kulturell angepasster Outreach- und Engagement-Maßnahmen, um die Nutzung und Kontinuität von MNCH- und Primärgesundheitsdiensten zu erhöhen: Durchführung monatlicher mobiler Gesundheitsbesuche in 28 Zieldörfern, ergänzt durch kontinuierliche Hausbesuche durch Community Health Volunteers (CHVs); Schulung der CHVs in strukturierter Schwangerschaftsverfolgung, postnataler Betreuung und Neugeborenenversorgung; Unterstützung von Mutter-zu-Mutter-Gruppen, Männerforen und Jugendgesprächen zur Förderung der Inanspruchnahme von MNCH-Diensten; Integration kulturell sensibler Gesundheitsaufklärung in Gemeindeplattformen; und Abstimmung von Outreach- und Nachsorgemaßnahmen mit saisonaler Migration unter Verwendung lokalisierter Kalender.
  2. Stärkung der Kapazität und Funktionsfähigkeit der CHVs, um kontinuierliche gemeindebasierte PHC- und MNCH-Versorgung zu gewährleisten: Modularer Schulungsansatz zu MNCH, integriertem Fallmanagement, WASH, Ernährung, geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV) und psychischer Gesundheit gemäß Standards des Gesundheitsministeriums; Bereitstellung von wichtigen CHV-Kits im Rahmen eines Mikro-Unternehmensmodells mit Umlaufbestand; Aufbau von Peer-Support-Gruppen und Anwendung nicht-finanzieller Anerkennungsstrategien; Bereitstellung solarbetriebener Mobilgeräte für Kommunikation, Dokumentation und Koordination von Überweisungen; sowie Verbesserung der CHV-Supervision durch gemeinsame Planung mit Gesundheitseinrichtungen und Outreach-Teams.
  3. Verbesserung der Bereitschaft und Qualität der Gesundheitseinrichtungen bei MNCH- und Primärversorgung einschließlich Überweisungen und Notfällen: Klinisches Mentoring des Personals zu EmONC, IMCI, IMAM, Adoleszentenservices und respektvoller Geburtshilfe; gezielte Entsendung von klinischem, pflegerischem und Ernährungspersonal; Installation von Solarsystemen zur Wiederherstellung der Kühlkette und Beleuchtung; Bau kostengünstiger Mutterschaftswartehäuser aus traditionellen Materialien; Aufbau von Telekonsultationsverbindungen zum North Horr Sub-County Hospital für komplexe Fälle von Mutter und Kind.
  4. Stärkung der Überweisungs- und Kommunikationssysteme zwischen Gemeinden und Gesundheitseinrichtungen: Einrichtung von Community–Facility-Linkage-Desks zur Verbesserung von Fallverfolgung und Rückmeldungen; Einführung farbcodierter Überweisungskarten und robuster papierbasierter Nachverfolgungsinstrumente für Gebiete mit geringer Konnektivität; Durchführung gemeinsamer Review-Meetings von CHVs, Outreach- und Facility-Teams; Schulung von CHVs und Freiwilligen zu Überweisungsprotokollen, Notfallzeichen und Transportsicherheit; Bereitstellung von Esel- oder Kamelkarren als kulturell angepasste Notfalltransportmöglichkeiten.
Nachhaltigkeit:

Nachhaltigkeit

Institutionell: Das Projekt ist in das öffentliche Gesundheitssystem Kenias eingebettet und arbeitet eng mit dem Gesundheitsministerium, dem County Health Department und dem Sub-County Health Management Team zusammen. Vier öffentliche Gesundheitseinrichtungen werden gestärkt, und CHVs werden als Teil der formalen Gesundheitsstruktur anerkannt. Tools, Protokolle und Daten sind MoH-zertifiziert und in KHIS2 integriert. Gemeinsame Supervision, Planung und Facility-Leadership schaffen die Basis für langfristige Übernahme und Skalierung. Eine Übergangsstrategie unterstützt die Absorption von Outreach, CHV-Supervision und Facility-Verknüpfungen in lokale Systeme.

Finanziell: Das Projekt nutzt bestehende Infrastruktur und Personal, während gezielt Fördermittel für kritische Lücken wie CHV-Kits, Outreach-Logistik und Solartechnik eingesetzt werden. Solarenergie und Nutzung von Gemeinschaftsräumen reduzieren Betriebskosten. In späteren Phasen sollen County-Behörden wiederkehrende Kosten übernehmen. Das kostengünstige, flexible Modell ist replizierbar und für andere unterversorgte Regionen anwendbar.

Technisch: Einfache, skalierbare Technologien und nationale Trainingspakete stärken dauerhaft die Kapazität. Tools wie bildliche ANC-Tracker, farbcodierte Überweisungskarten und solarbetriebene Mobilgeräte sind auf niedrig vernetzte, niedrig gebildete Settings zugeschnitten. CHVs und Fachkräfte werden nach Standardprotokollen geschult und durch Mentoring unterstützt. Durch die Kombination von mobiler Versorgung, gestärkten Einrichtungen und Referral-Systemen bleibt die Versorgung nachhaltig.

Einbindung und Partizipation von Zielgruppen und lokalen Stakeholdern: CHVs werden von ihren Dörfern nominiert, während Älteste, Frauengruppen und lokale Führungskräfte Mobilisierung, Terminplanung und Nachverfolgung unterstützen. Strukturen wie M2M-Gruppen, Männerforen und Community–Facility-Linkage-Desks fördern gemeinsame Verantwortung und Vertrauen. Feedback wird über Scorecards, Geschichten und Vorschlagsboxen eingeholt. Regelmäßige gemeinsame Planung und Review-Meetings stärken langfristige Partnerschaften.

Personal: 32 Gesundheitspersonal werden geschult und durch Mentoring begleitet. 60 CHVs werden ausgebildet, ausgestattet und durch Follow-up, Leistungsanreize und Peer-Support eingebunden. Zwei Krankenschwestern verbinden Facility- und Community-Dienste, sichern Koordination und eine nachhaltige, menschenzentrierte Versorgung.

Besonderheiten:

Das TAMANI-Projekt ist besonders, weil es Gesundheitsversorgung in extrem abgelegene, unterversorgte Dörfer bringt, die sonst kaum Zugang zu medizinischen Diensten haben. Es verbindet mobile Outreach-Kliniken, kontinuierliche Hausbesuche durch geschulte CHVs und die Stärkung lokaler Gesundheitseinrichtungen zu einem integrierten System. Dabei werden kulturelle Besonderheiten berücksichtigt, z. B. durch Mutter-zu-Mutter-Gruppen, Männerforen und lokal angepasste Notfalltransporte. Farbcodierte Überweisungskarten, digitale und papierbasierte Tracking-Tools sowie Telekonsultationen sichern die Kontinuität der Versorgung. Der Ansatz ist nachhaltig, da er in das öffentliche Gesundheitssystem eingebettet, standardisiert, kosteneffizient und auf langfristige Übernahme durch lokale Behörden ausgerichtet ist. So entsteht ein replizierbares, ganzheitliches Modell für schwer erreichbare Regionen.