Kinderheilkunde
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Indien
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Stärkung der pädiatrischen und extrapulmonalen Tuberkuloseversorgung (EPTB) für Frauen und Kinder in den städtischen Slums Indiens

Organisation: DAHW e.V.
Partnerorganisation vor Ort: GLRA India
Stärkung der pädiatrischen und extrapulmonalen Tuberkuloseversorgung (EPTB) für Frauen und Kinder in den städtischen Slums Indiens

Situation vor Ort:

Indien trägt die weltweit höchste Krankheitslast durch Tuberkulose (TB), und die Erkrankung ist besonders in den städtischen Slums von Mumbai und Howrah tief verwurzelt. Überfüllte Wohnverhältnisse, Mangelernährung, verzögerte Diagnosen und ein eingeschränkter Zugang zu hochwertiger Gesundheitsversorgung begünstigen die Ausbreitung von TB – insbesondere von multiresistenter TB (MDR-TB), extrapulmonaler TB (EPTB) und pädiatrischer TB. Frauen und Kinder sind besonders betroffen und leiden unter Stigmatisierung, verspäteter Behandlung sowie langfristigen gesundheitlichen und sozialen Folgen.

Gesundheitseinrichtungen in benachteiligten Gebieten fehlen oft die Ressourcen, um komplexe TB-Fälle zu diagnostizieren und zu behandeln, darunter EPTB, die spezialisierte Verfahren erfordert. Auch TB bei Kindern wird häufig zu spät oder gar nicht erkannt, da die Symptome unspezifisch sind und geeignete Tests fehlen. Mangelernährung und Armut verschlechtern die Behandlungsergebnisse zusätzlich.

Um diese Versorgungslücken zu schließen, stärkt das Projekt die TB-Versorgung für Frauen und Kinder durch gemeindebasierte Maßnahmen in Zusammenarbeit mit langjährigen lokalen Partnerorganisationen in Mumbai und Howrah. Zentral sind dabei aktive Fallfindung in Schulen und Haushalten, verbesserte Diagnostik und Überweisungsstrukturen für EPTB sowie die integrierte Behandlung von Begleiterkrankungen wie HIV und Diabetes. Gleichzeitig wird ein Netzwerk qualifizierter und informeller Gesundheitsanbieter aufgebaut, um eine einheitliche, evidenzbasierte TB-Versorgung sicherzustellen.

Ergänzend unterstützt das Projekt TB-betroffene Familien durch Ernährungshilfe, psychosoziale Beratung sowie schulische und berufliche Förderung. Mehr als 300 Gesundheitsfachkräfte an vorderster Front werden in der Versorgung von Kindern und EPTB geschult, unterstützt von 200 Community-Freiwilligen und TB-Botschaftern. Weitere Maßnahmen umfassen Stigmareduktion, Peer-Support und die Ausbildung junger Frauen zu Krankenschwestern mit TB-Schwerpunkt.

Durch die Stärkung der Zusammenarbeit mit dem Nationalen Tuberkulose-Eliminierungsprogramm und gemeindebasierten Organisationen verbessert das Projekt den Zugang, die Qualität und die Kontinuität der Versorgung für besonders vulnerable Gruppen. Es bietet ein skalierbares Modell zur Eindämmung von TB in indischen Slums und leistet einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit, Würde und sozialer Gerechtigkeit für die am stärksten betroffenen Frauen und Kinder.


Ziele:

Projektziel:

Das Projekt reduziert TB-bedingte Erkrankungen und Todesfälle in den Slums von Mumbai und Howrah, indem es die Versorgung für Frauen und Kinder mit pädiatrischer und extrapulmonaler TB deutlich verbessert. Frühere Diagnosen, bessere Behandlung und stärkere Unterstützung in der Gemeinschaft sollen Therapieabbrüche verringern und Stigmatisierung abbauen.

Teilziel 1:
Der Zugang zu früher TB-Erkennung wird durch Gemeindearbeit, schulbasierte Screenings und Kontaktverfolgung erweitert. In Howrah wird das Netzwerk lokaler Gesundheitsanbieter ausgebaut, um schnelle und qualifizierte Überweisungen zu ermöglichen.

Teilziel 2:
Frauen mit EPTB und Kinder mit TB erhalten umfassende medizinische Behandlung, Ernährungs- und psychosoziale Unterstützung. Besonders schwere Fälle werden operativ versorgt, und berufliche Trainings stärken die wirtschaftliche Resilienz betroffener Frauen und Mädchen.

Teilziel 3:
Durch die Schulung von Gesundheitsfachkräften, die Mobilisierung von Freiwilligen und breit angelegte Aufklärungsarbeit werden Gemeindestrukturen gestärkt und TB-Stigmatisierung abgebaut. Schulen spielen eine zentrale Rolle bei Prävention und Wissensvermittlung.

Indikatoren:
  1. Bis zum Ende des Projekts ist die Behandlungsabdeckung für EPTB und pädiatrische TB in den Einzugsgebieten von Howrah und Mumbai um 30 % gegenüber dem Ausgangswert gestiegen
    (Ausgangswerte: EPTB 30–33 Fälle/Jahr; pädiatrisch: 30 Fälle/Jahr).

1.1 3.600 Frauen werden auf EPTB untersucht.
1.2 600 Kinder werden im Rahmen von schulbasiertem Screening auf TB getestet.
1.3 5.400 Familienangehörige von TB-Patientinnen und -patienten werden im Rahmen der Kontaktverfolgung über drei Jahre hinweg untersucht.

  1. Bis zum Ende des Projekts geben 70 % der eingebundenen Patient*innen an, mit den bereitgestellten TB-Dienstleistungen zufrieden zu sein.

2.1 300 Frauen mit EPTB erhalten qualitativ hochwertige Versorgung, darunter 120 stationäre Fälle.
2.2 120 Kinder schließen die TB-Behandlung erfolgreich ab.
2.3 240 TB-Patientinnen und -patienten erhalten Ernährungshilfen.
2.4 60 von TB betroffene Frauen und Mädchen schließen eine berufliche Qualifizierung (Nähen, Backen, Handarbeiten) ab.

Maßnahmen:

Aktive Fallfindung in Schulen, Haushalten und Gemeinden
Die aktive Fallfindung steht im Zentrum der Projektstrategie, um die TB-Übertragung frühzeitig zu stoppen – insbesondere bei Frauen und Kindern in städtischen Slums. Das Projekt führt TB-Screenings an 60 Partnerschulen durch und setzt eine systematische Kontaktverfolgung in Haushalten für alle neu diagnostizierten TB-Fälle um, wodurch etwa 5.400 Familienmitglieder erreicht werden. Gesundheitsfachkräfte nehmen bei Hausbesuchen Sputumproben, während Sensibilisierungskampagnen in Slumgebieten Wissen über TB fördern, Stigmatisierung abbauen und frühes Aufsuchen medizinischer Versorgung unterstützen.

Versorgung und Unterstützung für Patientinnen und Patienten mit EPTB
Für Patientinnen und Patienten mit extrapulmonaler TB (EPTB) stärkt das Projekt die Überweisungspfade zu Partnereinrichtungen für spezialisierte Diagnostik und Behandlung, einschließlich notwendiger chirurgischer Eingriffe. Die Unterstützung umfasst prä- und postoperative Versorgung, Physiotherapie, Therapieadhärenz sowie psychosoziale Beratung. Frauen und Kinder erhalten zudem Nahrungsergänzungen zur Verbesserung des Behandlungserfolgs. Um die wirtschaftliche Belastung der betroffenen Haushalte zu mindern, bietet das Projekt berufliche Qualifizierungsmaßnahmen für Frauen und Mädchen aus TB-betroffenen Familien an.

Capacity Building
Das Projekt schult 300 Gesundheitsfachkräfte an vorderster Linie in aktualisierten Protokollen zur pädiatrischen und EPTB-Behandlung, in diagnostischen Verfahren sowie in patientenzentrierter Betreuung. Zusätzlich werden 200 Community Volunteers und TB-Champions ausgebildet, um Aufklärungsarbeit zu leisten, die Therapietreue zu unterstützen und Stigmatisierung abzubauen. Sie fungieren als wichtige Verbindung zwischen Gesundheitssystem und Gemeinschaft.

Projektbegleitende Aktivitäten
Ein Auftaktworkshop bringt nationale und internationale Partner zusammen, um Erwartungen abzugleichen, Rollen festzulegen und den MEAL-Rahmen zu etablieren. Regelmäßige Supervisionsbesuche stellen Qualität und Fortschritt sicher. Eine Stigma-Umfrage zu Projektbeginn und -ende misst Veränderungen, und Projektergebnisse werden auf nationalen und internationalen Plattformen verbreitet, um bewährte Praktiken sichtbar zu machen.

Nachhaltigkeit:

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Projektdesigns, sodass die erzielten Wirkungen über die EKFS-Förderperiode hinaus Bestand haben. Das Projekt umfasst einen strukturierten Übergabeprozess, umfassende Kapazitätsentwicklung und die Einbettung in bestehende staatliche und zivilgesellschaftliche Strukturen.

Übergabe an lokale Partner und staatliche Stellen
Das Projekt wird gemeinsam mit erfahrenen lokalen NGOs und Distrikt-Gesundheitsbehörden umgesetzt und vollständig an die NTEP-Protokolle angelehnt. Durch kontinuierliche Schulungen können Screening, Überweisung, Datenmanagement und Patientenbetreuung nach Projektende in die regulären Dienste übergehen. Im letzten Projektjahr wird ein formaler Übergabeplan mit der Übertragung von Ausstattung, Unterlagen und SOPs entwickelt.

Nachbetreuung durch GLRA India
GLRA India wird auch nach Projektabschluss technische Unterstützung und Monitoring anbieten, einschließlich Nachbesuchen, Remote-Begleitung, Auffrischungstrainings und Teilnahme an TB-Koordinierungssitzungen auf Distrikt-Ebene. Erkenntnisse und Best Practices werden systematisch weitergegeben.

Langfristige Wirkung in der Region
Durch frühe Fallfindung, umfassende Versorgung, Kapazitätsentwicklung und starke Gemeinschaftsbeteiligung stärkt das Projekt lokale Gesundheitssysteme und baut Stigmatisierung ab. Schulgesundheitsclubs, TB-Champions und Gemeindegruppen werden auch nach Projektende Aufklärung leisten und betroffene Familien unterstützen. Berufliche Qualifizierungsmaßnahmen fördern zudem die wirtschaftliche Resilienz von Frauen und Mädchen. 

Finanzierung über die EKFS-Förderung hinaus
Die Aktivitäten sind darauf ausgelegt, in bestehende staatliche Programme und Unterstützungssysteme wie NTEP und die Nikshay Poshan Yojana integriert zu werden. GLRA India und seine Partner werden zudem weitere Mittel von Gebern und CSR-Initiativen einwerben, um die Kontinuität sicherzustellen. Durch diese Kombination aus Kapazitätsaufbau, institutioneller Verankerung, geordnetem Übergang und aktiver Mittelakquise werden die Verbesserungen in der TB-Versorgung, der Gemeindegesundheit und der sozialen Stabilität langfristig gesichert.

Besonderheiten:
  • Ganzheitlicher TB-Ansatz: Verbindet frühzeitige Fallfindung, medizinische Versorgung, psychosoziale Unterstützung und wirtschaftliche Stärkung.
  • Fokus auf vulnerable Gruppen: Erreicht Frauen, Kinder und Familien in städtischen Slums, die häufig vom Gesundheitssystem übersehen werden.
  • Schul- und Gemeinschaftsarbeit: TB-Screenings in 60 Schulen und umfassende Kontaktverfolgung in Haushalten fördern frühe Diagnose.
  • Verbesserte EPTB-Versorgung: Bietet Zugang zu spezialisierter Diagnostik, Behandlung und chirurgischen Eingriffen, die im öffentlichen System nur begrenzt verfügbar sind.
  • Starker Kapazitätsaufbau: Schulungen für Gesundheitsfachkräfte und Community Volunteers stärken die lokale TB-Versorgung nachhaltig.
  • Integrierte Nachhaltigkeit: Orientierung an NTEP-Protokollen, Einbettung in staatliche Strukturen und langfristige Unterstützung durch lokale Partner.