Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2026

Der Preis ist erstmalig mit 250.000 Euro dotiert und honoriert dieses Jahr ein Projekt zum Thema „Menschen mit Behinderung“.
Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius

Der Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit geht in diesem Jahr an Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius, Direktorin des Cardinal Rugambwa Hospital (CRH) in Dar es Salaam, Tansania. Ausgezeichnet wird das Projekt „Strengthening Epilepsy Diagnosis and Care for Children with Disabilities in Tanzania“, das vom Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf (EKA) in Hamburg nominiert wurde.

Die Preisverleihung fand am 1. Oktober 2026 in Berlin statt. Die Keynote-Rede „Enabling Participation – Securing the Future“ wird Prof. Dr. Thomas Kapapa, stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Ulm, halten. 

Diagnose, Behandlung und Lebensqualität verbessern

Schwester Dr. Sarah Deogratius ist Ordensschwester, Ärztin und Direktorin des Cardinal Rugambwa Hospitals in Dar es Salaam, Tansania. Das ausgezeichnete Projekt basiert auf einer seit 2019 bestehenden Partnerschaft zwischen dem Cardinal Rugambwa Hospital und dem Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf (Hamburg) und wird seit 2021 gezielt weiterentwickelt. Die Rehabilitationseinheit des Krankenhauses in Dar es Salaam ist Anlaufstelle für Kinder mit Behinderungen wie Zerebralparese, Entwicklungsverzögerungen oder Down-Syndrom. Rund 70 bis 80 Prozent von ihnen leiden zusätzlich an Epilepsie. 

In Tansania sind viele Kinder mit Epilepsie oder neurologischen Entwicklungsstörungen nicht nur durch ihre Erkrankung selbst belastet, sondern auch durch Stigmatisierung und Vorurteile in ihren Gemeinschaften. Epilepsie ist weit verbreitet und kann unter anderem durch strukturelle Hirnschäden infolge von Infektionen, parasitären Erkrankungen oder Komplikationen bei der Geburt verursacht werden. Hinzu kommt, dass Epilepsie oder Entwicklungsstörungen nicht frühzeitig diagnostiziert werden. Je früher eine Diagnostik vorliegt, desto eher kann eine Therapie beginnen und die Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden, z.B. durch Physiotherapie die Mobilität. Für die Kinder bedeutet das: mehr Möglichkeiten, am Alltagsleben teilzuhaben. 

~ 1.400
Kinder mit Behinderungen
hatten 2025 Kontakt zur Rehabilitationseinheit.

Hier übernimmt das Cardinal Rugambwa Hospital eine wichtige Rolle: Es verbindet medizinische Versorgung und Rehabilitation mit der Fortbildung lokaler Gesundheitsfachkräfte sowie Aufklärung in den Gemeinden. 

Sr. Dr. Sarah Deogratius mit Müttern und Kindern im Rehabilitationszentrum des Cardinal Rugambwe Hospitals in Dar es Salaam, Tansania.
Outreach-Veranstaltungen, um Kinder mit Behinderungen zu finden. zu untersuchen und in die Therapie zu holen, sind elementarer Bestandteil des Projekts. An diesem Tag ist das Reha-Team in Buyuni, einem ländlichen Vorort am Südwest-Rand von Dar es Salaam,
Ergotherapeutin Bertha Sylvester Mfanga übt mit dem kleinen Othman seit einem guten halben Jahr. Jetzt klappt es mit dem Sitzen und seine Mutter ist sehr stolz auf ihn.
Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius
,
Direktorin des Cardinal Rugambwa Hospital (CRH) in Dar es Salaam, Tansania
Kinder mit Behinderungen gehören zu den Menschen, die in den Gemeinden am meisten leiden. Manche werden zu Hause versteckt. Deshalb möchte ich laut sagen behindert sein bedeutet nicht, unfähig zu sein.

Neben der medizinischen Behandlung bietet das Krankenhaus Physio- und Ergotherapien an. Im Rahmen von Outreach-Angeboten suchen die Teams zudem gezielt die Gemeinden auf, um Kinder mit Behinderungen zu identifizieren, Familien zu beraten, ihnen den Zugang zu passenden Versorgungsangeboten zu ermöglichen und aufzuklären – damit Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung abnehmen. 

Das Preisgeld soll dazu verwendet werden, die Rehabilitations- und Diagnoseangebote weiterzuentwickeln, zusätzliche Gesundheitsfachkräfte zu qualifizieren und die Versorgung in unterversorgten Gebieten zu verbessern. 

Im Interview berichtet die Preisträgerin Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius über ihre Arbeit und die zukünftigen Pläne für das Projekt.