Bad Homburg v. d. Höhe, 30. September 2026 – Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) verleiht den Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2026 an Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius, Direktorin des Cardinal Rugambwa Hospital (CRH) in Dar es Salaam, Tansania. Ausgezeichnet wird das Projekt „Strengthening Epilepsy Diagnosis and Care for Children with Disabilities in Tanzania“. Es verbessert die medizinische Versorgung und Rehabilitation von Kindern und geht zugleich gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung vor. Das Projekt wurde vom Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf (EKA) in Hamburg nominiert. Der mit 250.000 Euro dotierte Preis steht in diesem Jahr unter dem Thema „Menschen mit Behinderung“ und wird am 1. Oktober in Berlin feierlich übergeben.
Das ausgezeichnete Projekt basiert auf einer seit 2019 bestehenden Partnerschaft zwischen dem Cardinal Rugambwa Hospital und dem Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf und wird seit 2021 gezielt weiterentwickelt. Es verbindet medizinische Versorgung und Rehabilitation mit der Fortbildung lokaler Gesundheitsfachkräfte sowie Aufklärung in den Gemeinden.
„Mit dieser Auszeichnung würdigen wir ein Projekt, das Kindern mit Epilepsie und Behinderung eine bessere medizinische Versorgung und mehr Teilhabe ermöglicht und dabei nachhaltig die Strukturen vor Ort stärkt“, erklärt Dr. Judith von Heusinger, verantwortlich für die humanitäre Förderung bei der EKFS.
Preisverleihung in Berlin
Bei der Preisverleihung am 1. Oktober wird Prof. Dr. Thomas Kapapa, stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Ulm, die Keynote-Rede „Enabling Participation – Securing the Future“ halten. Marion Förster vom Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf hält die Laudatio auf Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius. Anschließend diskutieren unter anderem Matthias Seiche vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie Projektbeteiligte aus Hamburg und Dar es Salaam über die Zukunft des Projekts.
Ergänzend zur Preisverleihung findet am selben Tag ein Fachworkshop zum Thema „Menschen mit Behinderungen“ statt. Rund 40 ausgewählte Expertinnen und Experten sowie die Delegationen aus Hamburg und Tansania tauschen sich über die Versorgung von Kindern mit Behinderungen und insbesondere über die Epilepsieversorgung aus. In Präsentationen, einem Poster Walk und Arbeitsgruppen werden Ansätze etwa zur multidisziplinären Versorgung, zu Rehabilitationsangeboten, zu Epilepsieleitlinien und zur Verfügbarkeit von Medikamenten diskutiert. Ziel ist es, Erfahrungen aus unterschiedlichen Projekten zusammenzuführen, voneinander zu lernen und übertragbare Lösungsansätze für die eigene Arbeit zu entwickeln.
Auch bei der Ausgestaltung der Veranstaltung selbst steht Teilhabe im Mittelpunkt. Bei der Planung der Preisverleihung wurde deshalb auf Barrierefreiheit und inklusive Teilhabe geachtet – von der Raumgestaltung über die Programmplanung bis hin zum Catering und zur Musik. Damit greift die Veranstaltung den diesjährigen Themenschwerpunkt „Menschen mit Behinderung“ nicht nur inhaltlich auf, sondern berücksichtigt ihn auch in ihrer praktischen Umsetzung.
Medizinische Versorgung und Rehabilitation
In Tansania haben viele Kinder mit Epilepsie oder Behinderungen nur eingeschränkten Zugang zu spezialisierter Versorgung und Rehabilitation. Gleichzeitig erschweren Vorurteile den Zugang zu medizinischer Hilfe. Mancherorts gilt Behinderung als Schande oder Fluch, weshalb manche Familien ihre Kinder zu Hause behalten. „Kinder mit Behinderungen gehören zu den Menschen, die in den Gemeinden am meisten leiden. Manche werden zu Hause versteckt“, sagt Preisträgerin Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius. „Deshalb möchte ich laut sagen: Behindert sein bedeutet nicht, unfähig zu sein.“
Das Cardinal Rugambwa Hospital setzt sowohl bei der medizinischen Versorgung als auch bei diesen sozialen Barrieren an. Je nach Bedarf erhalten Kinder dort eine medikamentöse Behandlung sowie Physio- und Ergotherapie. Im Jahr 2025 hatte die Rehabilitationsabteilung Kontakt zu knapp 1.400 Kindern mit Behinderungen. 70 bis 80 Prozent von ihnen leiden zusätzlich an Epilepsie. Das Team bildet Gesundheitsfachkräfte fort und geht mit Outreach-Angeboten gezielt in die Gemeinden, um betroffene Kinder zu erreichen und Familien zu beraten.
Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius ist seit 2016 Direktorin des Cardinal Rugambwa Hospital. Sie hat das frühere Distriktkrankenhaus zu einem staatlich anerkannten Regional Referral Hospital weiterentwickelt. Ein besonderes Anliegen ist es ihr, Kinder mit Behinderungen sichtbar zu machen und ihre Teilhabe zu verbessern.
250.000 Euro für den Ausbau des Projekts
Mit dem Preisgeld sollen die Rehabilitation- und diagnostischen Möglichkeiten erweitert, weitere Gesundheitsfachkräfte fortgebildet und die Aktivitäten in unterversorgten Gebieten ausgebaut werden. Darüber hinaus soll die langfristige Begleitung der Kinder und ihrer Familien gestärkt werden. Dabei setzt das Projekt auf bestehende Strukturen und die Qualifizierung lokaler Fachkräfte.
Langfristig möchte Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius ein stationäres Rehabilitationsangebot schaffen. In diesem sollen Kinder mit Behinderungen mehrere Tage pro Woche leben, medizinisch betreut werden und eine kontinuierliche Therapie erhalten.
Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit
Die EKFS würdigt mit dem Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit herausragende Projekte und die projektverantwortlichen Persönlichkeiten, die zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in ressourcenarmen Ländern beitragen. Der Preis wird jährlich zu wechselnden Themenschwerpunkten vergeben und ist seit 2026 mit 250.000 Euro dotiert.
Weitere Informationen unter:
https://www.ekfs.de/humanitaere-foerderung/humanitaerer-preis
Der Preisträgerfilm ist ab dem 1. Oktober 2026 um 18 Uhr abrufbar unter:
https://youtu.be/S_rzDw3whCM
Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) – Forschung fördern. Menschen helfen.
Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt humanitäre Projekte. Bis heute hat sie rund 3.000 Projekte gefördert. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell rund 90 Millionen Euro ist sie die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ekfs.de
Pressekontakt
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
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