Liebe Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius, herzlichen Glückwunsch zum Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2026.
Sie sind Ärztin und Krankenhausdirektorin des Cardinal Rugambwa Hospital in Dar es Salaam, Tansania. Die Rehabilitationsabteilung des Krankenhauses ist eine wichtige Anlaufstelle für Kinder mit Behinderungen.
Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius: Mein Tag beginnt ziemlich früh. Ich stehe gegen 5:00 Uhr morgens zum Morgengebet auf und nehme um 6:30 Uhr an der Messe teil. Um 7:30 Uhr bin ich im Krankenhaus zur morgendlichen Besprechung mit unseren Mitarbeitenden. Danach verläuft jeder Tag etwas anders. Manchmal sehe ich Patienten, besuche die Rehabilitationsstation, treffe mich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder kümmere mich um Verwaltungsangelegenheiten. Als Krankenhausdirektorin und Ärztin muss ich sowohl meine klinischen als auch meine administrativen Aufgaben erfüllen. Manche Tage sind sehr arbeitsreich, und manchmal geht die Arbeit bis ins Wochenende hinein.
Was hat Sie dazu motiviert, die Versorgung von Kindern mit Behinderungen in Tansania zu verbessern?
Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius: Am meisten hat mich berührt, wie viele Kinder mit Behinderungen und ihre Familien still leiden. Einige von ihnen erleben Stigmatisierung, andere fühlen sich vernachlässigt und wieder andere wissen nicht, wo sie sich Hilfe holen können. Ich habe Eltern getroffen, die sich sogar fürchteten, über die Behinderung ihres Kindes zu sprechen. Ich hatte das Gefühl, dass wir nicht tatenlos zusehen dürfen. Diese Kinder brauchen dieselbe Liebe, Fürsorge und dieselben Chancen wie alle anderen Kinder auch. Deshalb liegt mir diese Arbeit sehr am Herzen. Ich sage immer: Behindert sein bedeutet nicht, unfähig zu sein.
Wie sehen Ihre Pläne für Ihre zukünftige Arbeit aus?
Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius: Es gibt noch vieles, das ich gerne gemeinsam umsetzen möchte. So möchte ich unsere Rehabilitationsangebote ausbauen, um mehr Kinder zu erreichen – insbesondere diejenigen, die nicht ohne Weiteres ins Krankenhaus kommen können. Wir müssen unser Personal weiter schulen und mit Familien und Gemeinden zusammenarbeiten, um Stigmatisierung abzubauen. Darüber hinaus möchte ich, dass wir der psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von Müttern und Betreuungspersonen mehr Aufmerksamkeit widmen, denn die Betreuung eines Kindes mit Behinderung kann sehr fordernd sein. Meine Hoffnung ist es, Inklusion zu einem festen Bestandteil all unserer Aktivitäten zu machen.
Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert. Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?
Schwester Dr. Sarah Kahumbya Deogratius: Diese Auszeichnung gibt uns die Möglichkeit, Dinge umzusetzen, die wir schon seit langem umsetzen wollten. Wir möchten unsere Rehabilitationsangebote ausbauen, unsere Diagnosemöglichkeiten für Kinder verbessern, mehr Fachkräfte im Gesundheitswesen ausbilden und unsere Arbeit in den Gemeinden verstärken. Viele Kinder mit Behinderungen bleiben nach wie vor zu Hause, weil ihre Familien keinen einfachen Zugang zu spezialisierten Angeboten haben. Auch diese Kinder möchten wir erreichen. Außerdem möchten wir die Nachsorge und die Unterstützung für Familien verbessern, damit die Betreuung nicht endet, sobald ein Kind das Krankenhaus verlässt.
Vielen Dank!