Dr. Lucie Loyal studierte Immunbiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und verfasste im Jahr 2012 ihre Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. Ihre Promotion absolvierte sie im Rahmen der International Max Planck Research School for Infectious Diseases and Immunology (IMPRS-IDI) und legte damit den Grundstein für ihre wissenschaftliche Laufbahn in der Immunforschung. Während der SARS-CoV-2-Pandemie setzte sie ihre Arbeit in der Forschungsgruppe ihres Doktorvaters Andreas Thiel an der Charité Berlin fort und trug dort maßgeblich zum Verständnis der T-Zell basierten Kreuzreaktivität gegen Coronaviren bei. Seit 2022 ist sie als Wissenschaftlerin am BIH tätig und seit 2025 in der Rolle als Projektleiterin.
Lucie Loyal erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen und Förderungen – darunter den Postdoktorandenpreis des Robert-Koch-Preises, die Förderung des Tandem-Programms für gen- und zellbasierte Therapien (nTTP-GCT) sowie 2025 die Förderung der EKFS in der Erstantragsförderlinie.
In ihrem von der EKFS geförderten Projekt verfolgt sie das Ziel, maßgeschneiderte Tumortherapien zu ermöglichen und weiter zu optimieren. Effektive T-Zell-Antworten sind entscheidend für die Tumorkontrolle und hängen maßgeblich von der Bindungsstärke des T-Zell-Rezeptors (TZR) ab. Lucie Loyal und ihr Team entwickelten deshalb einen Assay zur schnellen und skalierbaren Bestimmung dieser Bindungsstärke. Bei Melanom-Patientinnen und -patienten prüfen sie nun, ob dieser "CATCH-Assay" vor Immun-Checkpoint-Inhibitor-Therapien den Behandlungserfolg vorhersagen und damit individualisierte Therapieentscheidungen unterstützen kann. Zudem untersuchen sie, ob sich der Assay für die Hochdurchsatz-Identifikation geeigneter TZR für die adoptive T-Zelltherapie eignet.
So komplex die wissenschaftlichen Fragestellungen sind, so klar ist für Lucie Loyal die Motivation hinter ihrer Arbeit: „Mich motiviert vor allem, im Team an medizinisch relevanten Fragestellungen zu arbeiten und aus komplexen Daten belastbare Erkenntnisse zu gewinnen. Besonders wichtig ist mir dabei die Translation unserer Ergebnisse, also dass unsere Arbeit dazu beiträgt, Tumortherapien weiter zu verbessern.“
Von Geburt an gehörlos, hat sich Lucie Loyal in einem akademischen Umfeld behauptet, das bis heute vor allem auf hörende Forschende zugeschnitten ist. Eine große Veränderung brachte die Pandemie: Mit der starken Zunahme von Online-Meetings verbesserten sich KI-gestützte Sprachmodelle und cloudbasierte Anwendungen zur automatischen Verwendung von Untertiteln. Spezialisierte Dolmetscherinnen oder Dolmetscher stehen für das hoch akademische Umfeld hingegen kaum zur Verfügung. Vor dieser technischen Entwicklung musste sie Kommunikationslücken vor allem durch intensive Lektüre wissenschaftlicher Literatur ausgleichen, um sich Wissen dort zu erschließen, wo Gespräche für sie nicht vollständig zugänglich waren.
Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert sich Lucie Loyal seit 2024 in der Arbeitsgruppe Antidiskriminierung im BIH. „Die Sichtbarkeit von behinderten Menschen in der Wissenschaft ist mir ein Anliegen, da wir aufgrund der vorherrschenden Barrieren deutlich unterrepräsentiert sind“, erläutert sie. In ihrer Freizeit reist sie gerne, verbringt Zeit in der Natur, ist sportlich aktiv und widmet sich ihrem politischen und gesellschaftlichen Engagement.