EKFS fördert medizinische Spitzenforschung mit neun Exzellenzstipendien

Bis zu 350.000 Euro je Forschungsprojekt
Else Kröner Exzellenzstipendien: Ausschreibung

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung vergibt 2025 neun Else Kröner Exzellenzstipendien an herausragend qualifizierte Ärztinnen und Ärzte. Die zweijährige Freistellung von klinischen Aufgaben ermöglicht ihnen, ein erfolgversprechendes Forschungsvorhaben entscheidend voranzubringen. Die Fördersumme pro Stipendium beträgt bis zu 350.000 Euro.

Folgende Ärztinnen und Ärzte haben sich erfolgreich durchgesetzt:

Lisa Adams entwickelt KI-Methoden zur automatisierten Auswertung von MRT- und CT-Bildern, um das biologische Alter von Organen zu bestimmen und individuelle Gesundheitsrisiken früher zu erkennen.

PD Dr. Lisa Adams, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, TUM Klinikum Rechts der Isar, Universitätsklinikum der Technischen Universität München.
Projekt: KI gestützte Bestimmung organspezifischer biologischer Alterungsmaße zur individualisierten Risikostratifizierung

Lisa Adams untersucht mit ihrem Team, wie schnell einzelne Organe altern. Auf Basis von MRT- und CT-Aufnahmen bestimmen sie bildbasiert das biologische Alter von Leber, Nieren, Milz, Bauchspeicheldrüse und Muskulatur. Referenzwerte aus bevölkerungsbasierten Studien dienen dazu, Abweichungen zu identifizieren, die auf erhöhte Krankheitsrisiken oder eine geringere Belastbarkeit hinweisen. Anhand klinischer Daten prüfen die Forschenden, ob diese organspezifischen Altersmaße Komplikationen, Therapieerfolge und die Krankenhausverweildauer zuverlässiger vorhersagen können als das chronologische Alter. Die entwickelten Modelle werden als Open-Source-Software öffentlich bereitgestellt. 

In der MalheuR-Sprechstunde erhalten Krebspatienten mit rheumatischen Erkrankungen personalisierte Versorgung und Beratung auf Grundlage der neuesten Forschungsergebnisse.

Dr. Karolina Gente, MHBA, Innere Medizin V – Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Heidelberg
Projekt: MalheuR-Projekt: Interdisziplinäre Erforschung der Koinzidenz maligner und rheumatischer Erkrankungen auf klinischer und translationaler Ebene

Im MalheuR-Projekt untersucht Karolina Gente mit ihrem Team, wie Krebspatientinnen und -patienten mit rheumatischen Erkrankungen optimal behandelt werden können. Seit 2018 wurden in Heidelberg über 1.200 Betroffene erfasst, um die Wechselwirkungen zwischen beiden Krankheitsbildern systematisch zu analysieren. Mithilfe klinischer Daten und Blutproben suchen die interdisziplinär arbeitenden Forschenden nach Biomarkern, die Therapieentscheidungen präziser unterstützen können. Ziel ist es, eine solide Grundlage für individuelle Behandlungsstrategien zu schaffen und dadurch die medizinische Versorgung sowie die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern. 
 

PD Dr. Henning Grüll, Institut für Virologie, Uniklinik Köln
Projekt: AAV-vermittelte Expression breit-neutralisierender Antikörper zur Therapie und Prävention der HIV-1-Infektion

Hochwirksame Antikörper gelten als vielversprechender Ansatz zur Therapie und Prävention von HIV-Infektionen. Ähnlich wie antiretrovirale Medikamente zur Behandlung von HIV-Infektionen müssen sie aufgrund ihrer begrenzten Halbwertszeit jedoch regelmäßig verabreicht werden. Das Projekt zielt darauf ab, Strategien zu entwickeln, mit denen der Körper breit neutralisierende Antikörper selbst herstellen kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Optimierung von Genvektoren, die auf Adeno-assoziierten Viren (AAV) basieren. Diese sollen nach einmaliger Gabe eine langfristige Produktion mehrerer wirksamer Antikörper ermöglichen. Damit soll ein dauerhaft wirksamer Ansatz für antikörperbasierte Therapien gegen Infektionskrankheiten geschaffen werden.  

Die Arbeitsgruppe von Dr. Moritz Peiseler nutzt hochauflösende Intravital-Mikroskopie zur dynamischen Visualisierung von Immunzellen in der Leber.

Dr. Moritz Peiseler, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin
Projekt: Zielgerichtete Modulation von Makrophagenvielfalt als innovativer Therapieansatz bei MASLD und HCC

Die Fettlebererkrankung (Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung, MASLD) betrifft ca. 30% der Bevölkerung und ist somit die häufigste chronische Lebererkrankung. Die Krankheit ist charakterisiert durch eine vermehrte Fetteinlagerung in Leberzellen. Dies stellt einen Risikofaktor für das hepatozelluläre Karzinom (HCC) dar, einen bösartigen Lebertumor und weltweit eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Entzündung und Fibrose (Narbenbildungen) beeinflusst den Krankheitsverlauf. Eine zentrale Rolle spielen dabei Lebermakrophagen – Immunzellen, die Entzündungsprozesse steuern und sowohl die Vernarbung als auch die Tumorentwicklung beeinflussen können. Wie genau Stoffwechselstörungen, Entzündung und die Entstehung von Krebs bei MASLD und HCC zusammenhängen, ist noch unklar. Dr. Moritz Peiseler untersucht daher mit modernen Methoden wie der Intravitalmikroskopie, Mausmodellen und Multi-Omics-Analysen die Rolle dieser Immunzellen, um neue Therapien zu identifizieren. 

Dr. Florian Scherer im Labor

PD Dr. Florian Scherer, Klinik für Innere Medizin I – Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, Universitätsklinikum Freiburg
Projekt: ZNS-Lymphome – Translation nichtinvasiver Biomarker in die klinische Praxis und Entschlüsselung des einzigartigen Tropismus und der Pathogenese

ZNS-Lymphome sind aggressive Hirntumoren, deren Diagnose und Behandlung häufig schwierig ist. Die biologischen Prozesse, durch die Lymphomzellen ins Gehirn eindringen und sich dort ausbreiten, sind noch wenig verstanden. PD Dr. Florian Scherer und sein Team entwickeln hochsensible Liquid-Biopsy-Tests, mit denen sich kleinste Spuren von Tumor-DNA im Blut und Nervenwasser nachweisen lassen. Dadurch kann in schwierigen Situationen eine schnellere und sicherere Diagnose möglich sein. Zudem setzen die Forschenden neuartige molekulare Technologien ein, um die Entwicklung und Ausbreitung dieser Lymphome im Gehirn besser zu verstehen – als Grundlage für künftig präzisere und individuellere Therapieansätze.
 

Prof. Dr. Dr. David Simon auf Visite im Rahmen der translationalen Forschung

Prof. Dr. Dr. David Simon, MHBA, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin
Projekt: Von der Depletion zur Rekonstitution: Immunreset und prädiktive Signaturen für eine dauerhafte medikamentenfreie Remission bei rheumatoider Arthritis - Das LEARNER-Projekt

Bei rheumatoider Arthritis richtet sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen die Gelenke. Viele Betroffene müssen dauerhaft Medikamente einnehmen, da bestehende Therapien Entzündungen zwar kontrollieren, die krankheitsrelevanten B-Zellen jedoch nicht vollständig beseitigen – ein echter „Neustart“ des Immunsystems bleibt aus. Prof. Dr. Dr. David Simon untersucht mit seinem Team systematisch, wie verschiedene moderne B- und Plasmazell-gerichtete Therapien im direkten Vergleich wirken und welche Ansätze das Immunsystem so weit beeinflussen können, dass eine langfristige, medikamentenfreie Stabilität erreichbar werden kann. Durch umfassende Analysen von Blut, Gewebe und Immunzellen sollen zudem biologische Muster identifiziert werden, die vorhersagen können, welche Behandlung für einzelne Patientinnen und Patienten am besten geeignet ist.

Dr. Wulf Tonnus ist Nachwuchsgruppenleiter und Oberarzt in der Nephrologie. Ziel seiner Forschung ist ein verbessertes Verständnis der Rolle von Zelltod bei Nierenerkrankungen.

Dr. Wulf Tonnus, MD, Medizinische Klinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden an der Technischen Universität Dresden
Projekt: Ferroptoseregulation durch Etherlipide als Determinante der geschlechtsspezifischen Anfälligkeit für Akutes Nierenversagen

Chronische Nierenerkrankungen nehmen weltweit zu und werden häufig durch wiederkehrendes akutes Nierenversagen (AKI) verursacht. Dabei spielt die Ferroptose, ein Zelltod, bei dem Fettsäuren der Zellmembran durch eisenabhängige Prozesse geschädigt werden, eine wichtige Rolle. Frauen sind von Natur aus besser gegen AKI geschützt, vermutlich aufgrund östrogenabhängiger Veränderungen im Fettstoffwechsel der Zellmembranen, insbesondere durch eine Verringerung bestimmter spezieller Lipide. Die genauen Mechanismen dieses Schutzes sind jedoch noch ungeklärt. Wulf Tonnus untersucht, wie hormonabhängige Veränderungen im Lipidstoffwechsel die Empfindlichkeit der Niere gegenüber Ferroptose beeinflussen. Langfristig sollen daraus neue geschlechtsspezifische Therapieansätze für akute und chronische Nierenerkrankungen entwickelt werden.  

Dr. Matias Wagner und Team bei der Dateninterpretation

Dr. Matias Wagner, Institut für Humangenetik, TUM School of Medicine and Health, TUM Universitätsklinikum, München
Projekt: ASO4Kids: Aufbau einer Pipeline zur Entwicklung allelselektiver Antisense-Oligonukleotid-Therapien für seltene neurologische Erkrankungen 

ASO4Kids verfolgt das Ziel, neue Behandlungsmöglichkeiten für Kinder mit seltenen genetischen Hirnerkrankungen zu entwickeln, die schwere Epilepsien und Entwicklungsstörungen auslösen. Dr. Matias Wagner etabliert dafür eine effiziente Entwicklungsplattform für Antisense-Oligonukleotide – kleine Moleküle, die krankheitsrelevante genetische Signale gezielt ausschalten können. Durch die Nutzung verbreiteter genetischer Marker sollen wenige maßgeschneiderte Wirkstoffe möglichst vielen betroffenen Patientinnen und Patienten zugutekommen. Langfristig soll die Plattform die Entwicklung personalisierter Therapien beschleunigen und ihre Verfügbarkeit deutlich verbessern.  

Dr. Oana Patricia Zaharia auf dem Diabetes Kongress

Dr. Oana Patricia Zaharia, Klinik für Endokrinologie und Diabetologie, Universitätsklinikum Düsseldorf Deutsches Diabetes-Zentrum, Düsseldorf
Projekt: Bedeutung der hypothalamo–hypophysär–gonadalen Achse für das geschlechtsspezifische kardiovaskuläre Risiko bei Diabetes-Subtypen

Oana Patricia Zaharia untersucht, warum Frauen und Männer mit Diabetes ein unterschiedlich hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben und ob sich diese Unterschiede je nach Diabetes-Subtyp verändern. Obwohl Diabetes heute als eine vielfältige Erkrankung gilt, ist der Einfluss von Geschlechtshormonen auf die Herzgesundheit noch wenig erforscht. Dafür analysieren die Forschenden zwei große Patientengruppen: Menschen nach einem Herzinfarkt sowie Personen mit neu diagnostiziertem Diabetes. Durch Messungen von Hormonen und Herz-Kreislauf-Markern sowie modernen Datenanalysen sollen frühe Warnzeichen erkannt und präzise, geschlechtsspezifische Präventions- und Behandlungsstrategien entwickelt werden.