Clinician Scientists: Dauerhafte Perspektiven für Forschung und Klinik schaffen

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) haben gestern beim gemeinsamen Symposium „Clinician Scientists – Status quo und Entwicklungsperspektiven“ in Berlin mit Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Forschungsförderung über die Zukunft klinisch-wissenschaftlicher Karrierewege diskutiert.
Symposium „Clinician Scientists – Status quo und Entwicklungsperspektiven“ am 30.09.2026

Berlin, 1. Oktober 2026 - Im Mittelpunkt standen die erstmals vorgestellten Ergebnisse des gemeinsamen Projekts „ECLiPSE – Etablierung von Clinician Scientist-Programmen an den Medizinischen Fakultäten: Status und Erwartungen“ sowie die Frage, welche Strukturen notwendig sind, damit Ärzt:innen Forschung und Patientenversorgung langfristig miteinander verbinden können. Ergänzend stellte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) aktuelle Befunde aus ihren Clinician-Scientist-Programmen vor.

An der deutschlandweiten Online-Befragung, die in Kooperation mit dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) durchgeführt wurde, beteiligten sich zwischen November 2025 und Juli 2026 insgesamt 414 aktuelle und ehemalige Teilnehmende von Clinician-Scientist-Programmen aus der deutschen Hochschulmedizin. Die Ergebnisse zeigen: Die Programme haben sich deutschlandweit fest etabliert. Als wesentliches Element für die Verbindung von Forschung und klinischer Tätigkeit bewerten die befragten Ärzt:innen insbesondere geschützte Forschungszeiten. Auch curriculare Angebote, vor allem zu methodischen und überfachlichen Themen wie Statistik, wissenschaftlichem Schreiben, Grant Writing oder Leadership, werden von vielen als hilfreich bewertet. 

Die Bedeutung einer strukturierten Förderung von Clinician Scientists griff Frau Prof. von Messling, Leiterin der Abteilung Lebenswissenschaften im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), in ihrem Eröffnungsvortrag auf. Das BMFTR unterstützt auch mit der zweiten Förderrunde der Advanced Clinician Scientist-Programme insbesondere Ärzt:innen in fortgeschrittenen Karrierephasen. „Klinisch und wissenschaftlich tätige Ärzt:innen sind für eine leistungsfähige Universitätsmedizin und für den Transfer neuer Erkenntnisse in die Versorgung unverzichtbar. Mit der zweiten Förderrunde der Advanced Clinician Scientist-Programme setzen wir die Förderung in fortgeschrittenen Karrierephasen fort und stärken damit die Verbindung von medizinischer Forschung und klinischer Tätigkeit.“

Prof. von Messlingen, Abteilungsleiterin BMFTR, Prof. Kadmon, Präsidentin des MFT, Prof. Strech, Vorstandsmitglied EKFS und Dr. Wissing, Geschäftsführer des MFT

Die ECLiPSE-Ergebnisse zeigen zugleich, dass die entscheidende Herausforderung über die Förderung in einzelnen Programmen hinausreicht. Die große Mehrheit der Befragten möchte Forschung und klinische Tätigkeit auch langfristig miteinander verbinden. Dafür braucht es nach erfolgreichem Abschluss der Programme entsprechende Zielpositionen und verlässliche Karrierewege in der Universitätsmedizin. „ECLiPSE gibt uns erstmals ein standortübergreifendes Bild davon, was Clinician Scientists in ihrer Karriere unterstützt und wo weiterhin Hürden bestehen. Daraus müssen wir jetzt die richtigen Schlüsse ziehen. Die Universitätsmedizin muss auch jenseits einzelner Programme verlässliche Strukturen und langfristige Karriereperspektiven schaffen, in denen Ärzt:innen Forschung, Lehre und Patientenversorgung dauerhaft miteinander verbinden können“, sagt Prof. Dr. Martina Kadmon, Präsidentin des Medizinischen Fakultätentags.

Welchen Mehrwert diese dauerhafte Verbindung von Forschung und Patientenversorgung hat, zeigen auch die qualitativen Interviews. Die Befragten beschreiben gerade die Wechselwirkung zwischen beiden Bereichen als zentralen Antrieb ihrer Tätigkeit: Fragestellungen aus der klinischen Praxis fließen in die Forschung ein, wissenschaftliche Erkenntnisse wiederum sollen zu einer besseren Patientenversorgung beitragen. Trotz der hohen zeitlichen Anforderungen wird diese Verbindung insgesamt als persönliche Bereicherung wahrgenommen.

Die Befragung machte ebenfalls deutlich, dass Gleichstellung auch bei klinisch-wissenschaftlichen Karrierewegen eine dauerhafte Aufgabe bleibt. Unter den 414 befragten Fellows und Alumni waren 198 Frauen und 215 Männer; eine Person machte keine Angabe zum Geschlecht. Dies entspricht auch den Anteilen aus der Programmbefragung. Bei folgenden akademischen Karriereschritten zeigt sich allerdings noch kein durchgehend ausgewogenes Geschlechterverhältnis: So liegt etwa bei den Habilitierten der Frauenanteil nur noch bei 40 Prozent. „Dass Frauen und Männer heute annähernd gleichermaßen von Clinician-Scientist-Programmen erreicht werden, ist eine gute Grundlage. Entscheidend ist aber, dass daraus auch über die weiteren Karrierestufen hinweg gleiche Entwicklungsmöglichkeiten entstehen. Förderung muss deshalb nicht nur den Einstieg ermöglichen, sondern auch die Rahmenbedingungen in den späteren Karrierephasen in den Blick nehmen“, sagt Prof. Dr. Dr. Daniel Strech, Vorstandsmitglied der Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

ECLiPSE untersucht Clinician-Scientist-Förderung deutschlandweit
ECLiPSE ist ein von der EKFS und dem MFT gemeinsam initiiertes und von der EKFS gefördertes Projekt, das in Kooperation mit dem BIH durchgeführt wird. Die erste deutschlandweite und standortübergreifende Befragung von Fellows und Alumni von Clinician-Scientist-Programmen verbindet einen Online-Survey mit qualitativen Interviews und der 7. vom MFT durchgeführten Erhebung von Programmdaten. Ziel ist es, die bestehenden Förderstrukturen und ihre Bedeutung für klinisch-wissenschaftliche Karrierewege zu untersuchen und daraus Ansätze für deren Weiterentwicklung abzuleiten.

 

Medizinischer Fakultätentag
Der Medizinische Fakultätentag ist der Dachverband der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Deutschlands. Diese verantworten in über 70 Studiengängen die Ausbildung von rund 140.000 Studierenden der (Zahn-)Medizin und der Gesundheitsberufe. Gemeinsam mit dem Verband der Universitätsklinika (VUD) vertritt der MFT die Deutsche Hochschulmedizin.

Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) – Forschung fördern. Menschen helfen.
Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt humanitäre Projekte. Bis heute hat sie rund 3.000 Projekte gefördert. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell rund 90 Millionen Euro ist sie die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ekfs.de

Pressekontakt
Medizinischer Fakultätentag
Dr. Christiane Weidenfeld
Leiterin der Kommunikation
Tel.: + 49 30 6449-8559-22
E-Mail: weidenfeld@medizinische-fakultaeten.de

Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Bianka Jerke
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: + 49 6172 8975-24
E-Mail: b.jerke@ekfs.de